Material +

Ausstellung der Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg mit Arbeiten von Tilmann Eberwein, Brigitte Stahl, Vanessa Henn, Mirja Wellmann, Jürgen Krause und Susanna Messerschmidt

13. November 2007 - 13. Januar 2008

Vernissage
Montag, 12. November um 20 Uhr

 

Nach der Retrospektive "Wegmarken" mit 20 Bildhauern im Frühjahr, dem Skulpturenprojekt „Mittendrin“ mit Robert Schad im Sommer, werden in Material + aktuelle skulpturale Positionen von sechs ehemaligen Stipendiaten der Kunststiftung Baden-Württemberg präsentiert. Dabei handelt es sich größtenteils um neue Werke, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden. Gleichzeitig markiert Material + ein besonderes Jubiläum: 30 Jahre Kunststiftung Baden-Württemberg. Skulpteure wie Hüseyin Altin, Guido Messer, Johannes Pfeiffer, Werner Pokorny, Robert Schad, Reinhard Scherer und Daniel Wagenblast waren allesamt zu einem Zeitpunkt Stipendiaten der Kunststiftung. Deren Arbeiten prägen längst seit vielen Jahren den öffentlichen Raum in Schorndorf.

Tilmann Eberwein

Tilman Eberweins Arbeiten schaffen einen spezifischen Ort, der den Ausstellungsraum zum Aktionsfeld transformiert und den Besucher zum Akteur und Performer werden lässt. Die Dreidimensionalität als zentrales Wesensmerkmal der Skulptur wird hier nicht als abgeschlossener Raum verstanden, sondern als ein offener, der soziale Interaktionen zulässt. Tilman Eberwein wurde 1967 in Stuttgart geboren. Seit 2005 ist er Lehrer für Bildhauerei/Metall an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Vanessa Henn

Vanessa Henn entfunktionalisiert Alltagsgegenstände wie Handläufe und Geländer. Mal spielerisch, mal minimalistisch werden die Gegenstände ihrer Funktion enthoben und verbinden auf humorvolle Weise formale Reduktion mit spielerischem Witz. Ein Thema kehrt dabei immer wieder: der Weg, die Bewegung von einem Ort zum anderen. In der Material + - Ausstellung zeigt sie eine eigens angefertigte Geländer-Rampen-Konstruktion. Dabei handelt es sich um ein maßstabsgetreues Detail der Eingangssituation des Hamburger Bahnhofs in Berlin. In ihren Papierarbeiten finden sich von Pop-Art, Comics, Werbung und elektronischen Medien  inspirierte Herangehensweisen an das Medium Zeichnung. Vanessa Henn stammt aus Stuttgart. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Jürgen Krause

Der aus Tettnang stammende, in Frankfurt lebende, Jürgen Krause, hat ein Faible für Werkzeuge – insbesondere denen von Bildhauern. Diese Werkzeuge werden aber nicht ihrer ursprünglichen Nutzungsabsicht zugeführt. Vielmehr wird deren Vorbereitung zum Gebrauch beständig fortgeführt. So zieht Jürgen Krause von Hand Klingen auf Schärfsteinen ab. Dabei nutzen sich Klingen und Steine ab. Dieser Prozess der Abnutzung und des Vergehens führt Krause dem Betrachter vor Augen. Zu sind Bildhauerwerkzeuge, die in den Jahren 2003 – 07 entstanden sind.

Susanna Messerschmidt

Seit über einem Jahrzehnt arbeitet die Stuttgarterin Susanna Messerschmidt mit gefärbter Latexmilch, aus der sie winzig kleine oder teppichgroße biomorphe Hohlkörper entwickelt, frei von jeglicher Abbildhaftigkeit. Optisch inspiriert sind Gestalt und Aufbau der Gebilde von mikrobiologischen Zellorganismen, deren im Mikroskop sichtbar gewordene künstlerische Schönheit unsere Naturvorstellung nachhaltig geprägt hat. Die Latexkörper von Susanna Messerschmidt wiederholen die unendlichen formalen Möglichkeiten der Natur in einem metaphorischen Kontext.

Brigitte Stahl

Die Arbeiten der Stuttgarterin wirken auf den ersten Blick befremdlich und doch auch wieder seltsam vertraut. Ihre Objekte und Papierarbeiten bestehen meist aus weggeworfenen Materialien – Verpackungen, Farbresten, ausrangierten Möbeln und Werkzeugen – die sie auseinandernimmt und zu neuen Gegenständen arrangiert. Dadurch entstehen Spannungen zwischen den Oberflächen, Brüche im Material und der Farbe und die räumlichen Werte durch Überlagerungen und Faltungen entwickeln eine überraschende Delikatesse.

Mirja Wellmann

Mirja Wellmann lebt und arbeitet in St. Johann-Gächingen auf der Schwäbischen Alb. Seit einigen Jahren beschäftigt sie sich mit dem menschlichen Sinnesorgan Ohr und dem Hören. Zu diesem Thema sind schon zahlreiche Skulpturen entstanden, die alle vom Besucher benützt werden können. Der Betrachter soll die Möglichkeit erhalten, seine ganz eigene Hörwahrnehmung zu machen.

Für Material + wird Wellmann die Hörstation Krähenstall präsentieren. Eine Klanginstallation mit einer durchsichtigen Hörkabine für Besucher. Dort kann man sich selbst und seine Eigengeräusche differenziert wahrnehmen und sich im Zusammenspiel mit bewusst eingesetzten Vogellauten im Raum fühlbar erleben können. Mirja Wellmann geht es um eine grundsätzliche Sinneserfahrung, die Sehen und Hören in einen neuen Zusammenhang stellt.