Blickwechsel

Die Malerin Ludivike Simanowitz im Spannungsfeld aktueller Künstlerinnen

21. Februar - 15. März 2009


Vernissage

Freitag, 20. Februar um 20 Uhr

In Schorndorf wurde die spätere Malerin als Ludovike Reichenbach am 21. Februar 1759 geboren. Nur drei Jahre darauf zog die Familie nach Ludwigsburg, wo Ludovike Simanowiz, neben Stuttgart und Aufenthalten in Paris, den größten Teil ihres Lebens verbrachte. Als Portraitistin Schillers und seiner Familie – mit dem ebenfalls 1759 geborenen Dichter verband sie eine lebenslange Freundschaft seit  gemeinsamen Kindertagen in Ludwigsburg – gelangte  Ludovike Simanowiz zu einem sich bis heute haltenden, wenn auch bescheidenen Nachruhm: sowohl im Schatten wie im Glanze des großen Klassikers.

Zu ihrem 250. Geburtstages bereitet das Kulturforum Schorndorf derzeit eine kunst-, literatur- und sozialgeschichtliche Gedenk-Ausstellung vor, die an diese außerordentliche  Malerin erinnern und  anlässlich  des Jubiläums am 21. Februar 2009 eröffnet werden soll.

Die Künstlerin Ludovike Simanowiz hat ein durchaus eigenständiges Werk geschaffen. In der Epochenspannung zwischen Rokoko, Klassik / Klassizismus und Romantik, zwischen Revolution und Restauration,  ist ihre  künstlerische Produktion aber auch deshalb etwas Besonderes, weil wir hier der damaligen Seltenheit einer professionell ausgebildeten und malenden Frau begegnen. Dabei hat sich ihr Werk bis heute eine eigentümliche Frische erhalten,  durch die  eine erneute Begegnung, umso mehr sich viele  ihrer Gemälde in Privatbesitz befinden, immer  wieder überrascht. Darüber hinaus aber lassen sich entlang der Biografie Ludovike Simanowiz´  exemplarisch die Möglichkeiten und Grenzen weiblicher Lebensentwürfe um 1800 aufzeigen. In dieser revolutionären Umbruchszeit wurden neue politische, künstlerische und gesellschaftliche Formen erprobt, nicht zuletzt im Verhältnis der Geschlechter, von deren experimentellen Reichtum wir bis heute zehren. Auch und gerade, wenn deren praktische Verwirklichung ausgeblieben ist oder gar  noch ansteht.

Die Ausstellung soll aus  zwei sich ergänzenden Teilen bestehen, von denen einer einen exemplarischen Ausschnitt des künstlerischen Werkes vorstellen wird. Eine auch nur annähernd vollständige Präsentation des (soweit erhalten gebliebenen) Gesamtwerkes ist also nicht beabsichtigt. Aber bereits in Aussicht gestellte Zusagen der Staatsgalerie Stuttgart, des Schiller Nationalmuseums Marbach, des Stadtmuseums Ludwigsburg und vor allem privater Leihgeber, lassen schon jetzt eine qualitativ hochstehende Auswahl von etwa zwanzig Gemälden und Zeichnungen erwarten.
Ein zweiter gewichtiger Teil der Ausstellung besteht aus der Darstellung des sozio-kulturellen Umfelds der Malerin. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt auf damals innovative Formen weiblicher Kunst-Produktion, Geselligkeit, Neuarrangements der Geschlechterverhältnisse und Beteiligungsversuche an politischer Öffentlichkeit gelegt werden.
Diese Herangehensweise bietet sich bei Ludovike Simanowiz umso mehr an, da sie sowohl als politisch wache Zeitgenossin wie auch als scheinbar überaus einnehmende Virtuosin der Freundschaft,  ein erstaunlich weitreichendes und vielfältiges Beziehungsnetz  zu knüpfen verstand. Und das durchaus im so produktiven wie  eigensinnigen Widerstand gegen historisch bedingten, Frauen auferlegten gesellschaftlichen  Beschränkungen.

Sowohl in räsonierenden Salons oder  republikanisch disputierenden Pfarrhäusern, überhaupt im Freundschaftskult der Zeit, der besonders auch zu einer Blüte der Briefkultur führte, wurden  Formen einer neuen bürgerlichen Öffentlichkeit erfunden und erprobt. Der Anteil, den Frauen daran hatten, ist bisher eher vernachlässigt worden. Ihre Leistung erst allmählich wieder erinnernd und  erforschend, vermögen wir die  damalige  Situation als eine unserer aktuellen Krisenwahrnehmung in vielem ähnlich wahrzunehmen.  Nur  in derart historisch aufgeladenen Konfliktspannungen entsteht aber ein lebendig-gegenwärtiges  Interesse an geschichtlichen Konstellationen, die eine Ausstellung mit dem Schwerpunkt unserer  Fragestellungen  rechtfertigt.

Dass hier in Schorndorf, während des  gleichzeitigen großen, nationalen Schillergedenkjahres 2009, mit einer kleinen, aber dezidiert den weiblichen Akzent der Epoche hervorhebenden Ausstellung, über das lokale hinaus auch überregionales Interesse  zu finden wäre, ist dabei  durchaus  Wunsch und Absicht unseres Unternehmens.