Josefh Delleg

Step by Step und andere Tänze

6. März  - 22. April 2012

Vernissage
Montag, 5. März um 20 Uhr

 

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Die zentrale Installation ‚step by step und andere Tänze’ ist eine raumfüllende Bodenarbeit. Ihr Thema ist die Addition von vielen Einzelelementen zu einer großen, gleichförmigen Masse. Im Raum sind Schusterleisten zu sehen, insgesamt 682 Stück, angeordnet in Reih und Glied. Sie sind mit Fragmenten von Landkarten beklebt. Die Schuh-Körper kommen wie in militärischer Disziplinierung gleichgetaktet daher. Eine anonyme Schlachtformation, die aus dem Nichts kommt. Das Ordnungsraster auf dem Boden schreibt die Richtung vor - jeder Einzelne in den Fußstapfen des Vorgängers, unmöglich ein Aus-der-Reihe-Tanzen. Im Gleichschritt der anonymen Formation vollzieht sich der Aufmarsch der Staatsmacht. Schrittweise wird ein Territorium ausgemessen und besetzt: die ewige Infanterie auf dem Vormarsch, kein Ende absehbar.

Doch der Vorwärtsdrang wird ergänzt durch die Kreisbewegung: Die Kolonnen zeigen hin und wieder Flagge. Kleinmotoren an 98 der Schusterleisten drehen Stahlstäbe, die fiktive Fahnen tragen. Erfundene Fahnen noch nicht einmal erfundener Länder recken sich empor, visuelle Hymnen, Logos fiktiver Nationalitäten. Zaghafte Zeugnisse von Individualität regen sich inmitten des allgemeinen Fortschreitens. Doch selbst wenn hie und da das Individuelle hochgehalten wird, läuft es doch leer, rotiert es, leise surrend, folgenlos um sich selbst. Die Weltgeschichte – als Geschichte territorialer Eroberungen unter wechselnden Parolen – wiederholt sich nach demselben Muster. Diese Installation thematisiert also jenes Weitermachen entgegen alle Vernunft, das uns heute zu schaffen macht. Denn Gleichschaltung zum erstarrten System hat noch immer zu dessen Kollaps geführt.

Großformatige Arbeiten auf Leinwand, die alle das Element der Vervielfältigung aufweisen, beschäftigen sich mit demselben Thema wie die Installation. Das Thema der Wiederholung wird nebenan anhand einer Videoinstallation verarbeitet.

Das Werk Josefh Dellegs ist durchzogen von Wiederholung und Vervielfältigung. Zyklische Prozesse im Kulturellen, im Sozialen wie im Politischen sind die Vorgänge, um die sich die Arbeit des Künstlers seit jeher dreht. Seine Kunst ist geprägt von dieser Wiederkehr, in der das Einzelne, eingebettet in eine Struktur von Wiederaufnahmen, zum Typischen und zur Metapher für Existentielles gerät.

Josefh Delleg ist im italienischen Reischach, Bruneck geboren. Von 1984 bis 1990 studierte er an der Kunsthochschule der Universität Kassel. Josefh Delleg erhielt Stipendien der Friedrich-Ebert Stiftung, der Otto-Braun-Melsungen-Stiftung und Stadt Erfurt. Der Künstler lebt und arbeitet in Göttingen und Kassel.

Eine weitere Führung mit Dr. Beatrice Büchsel findet am Sonntag, 15. April um 15 Uhr statt und kostet 5 € (inklusive Eintritt). Die Ausstellung endet am 22. April.